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Mittwoch, 30. Juni 2004, 10:49

Betta Splendens

Hallo,
Ich hab mich mal hingesetzt und das Wichtigste für haltung und Zucht der Betta Splendens aufgeschrieben. Ich hoffe, dass ich damit ein wenig weiter helfen kann.
LG
netty



1. Teil:


Betta Haltung und Zucht


Zum Betta Splendens
Der natürliche Lebensraum sind langsam fließende und stehende Gewässer, wie zum Beispiel Reisfelder und Tümpel. Selbst in Trockenzeiten überleben sie darin. Diese Gewässer sind oft sehr sauerstoffarm allerdings reich an Stechmückenlarven – der Hauptnahrung – der Fische – und andere kleinen Tiere.
Der „Kampffisch“ hat ein nach oben gerichtetes maul um gut an der Oberfläche schwimmenden Insekten zu kommen.
Der Betta hat ein zusätzliches Atemorgan, das so genannte Labyrinth, mit dessen Hilfe er sogar in extrem Sauerstoffarmen Gewässern sogar Pfützen leben kann, in dem er an der Oberfläche atmosphärische Luft schöpft.
Dadurch kann er im Aquarium problemlos ohne Filter und Luftausströmer gepflegt werden.
Er überlebt sogar in so schlechten Sauerstoffverhältnissen, wo andere Kiemenfische keine Chance hätten. Wohl fühlt er sich aber nicht darin.


1, Beckengröße

Zur Haltung für 3 Betta Splendens (1m und 2 w) empfehle ich mindestens ein 60-iger Becken.
Auch zur Zucht würde ich nicht unter diese Größe gehen, denn es werden oft sehr viele Jungfische, die in einem kleineren Becken nicht ausreichend Platz haben. Selbst dieses Becken wird bald zu klein werden. Da die Kleinen aber ab ca. 8 Wochen eh separiert oder umgesetzt werden müssen, geht das.
In dem Becken sollten reichlich Pflanzen und eine Wurzel sein, um den Betta-Mädels Versteckmöglichkeiten zu bieten, die sie während der „Balz“-Jagd durch das Männchen benötigen. Es sollte auf keinen Fall ein runder Behälter benützt werden, weil Betta nicht gern im Kreis schwimmen und deshalb sich in so einen Behälter sehr passiv verhalten würde.
Zum Gesellschaftsbecken komme ich später.


2, Filter und Technik im Betta-Becken

Viele Züchter benutzen gar keine Filter. Dabei muss man jedoch beachten, dass es nötig ist, alle 3 tage einen Wasserwechsel durchzuführen. Somit übernimmt man manuell die Arbeit des Filters.
Ich nehme eine Blubber, also einen Schaumstoff-Innenfilter. Ganz klein gestellt ist die Bewegung nicht zu stark. Mit Schwimmpflanzen und Styropor kann man dem Männchen Bauhilfe stellen.
Als Styropor nehme ich Verpackung von z.B. Elektrogeräten, die ich passend zuschneide. Es gibt auch zum Verpacken von Paketen so kleine Styropor „Flocken“ die ich bei der Zucht auch schon als Nestbauhilfe benutzte.
So stört auch die geringe Strömung des Wassers nicht.

Zur Haltung ohne Zucht kann man einen normalen Filter benutzen, der aber dann auch nicht zu stark eingestellt werden sollte, da Betta Strömung nicht lieben.

Die ideale Temperatur beträgt ca. 24 Grad. Sie kann jedoch auch gut 2 Grad drunter oder drüber liegen.

Eine Abdeckung ist notwendig, da Kampffische sehr gute Springer sind. Sie können ganz leicht aus dem Becken hüpfen. Außerdem wird die Wasserverdunstung auf diese weise gering gehalten.

Eine Beleuchtung ist schon wegen der Pflanzen sinnvoll.

Jedoch mögen es Betta nicht gern sehr hell, deshalb empfiehlt es sich, Schwimmpflanzen einzusetzen.

3, Wasserqualität


Was die Beschaffenheit des Wassers angeht, sind Betta sehr bescheiden. Weder der Säuregehalt (sie können zwischen PH 5,5 u. 8,5 gehalten werden) noch die Wasserhärte (etwa 2 – 25 dGH) spielen eine große Rolle.
Wichtig ist jedoch, wenn kein Filter da ist, regelmäßiger Wasserwechsel um den Schadstoffgehalt so niedrig wie möglich zu halten.

4. Einrichtung des Beckens

Wie schon erwähnt, sind Pflanzen und eventuell eine Wurzel nötig. Bodengrund würde ich zur Haltung der Betta auch dazu tun.
Wenn man züchten will, ist dieser im Zuchtbecken nicht nötig, erleichtert so sogar das Aufsammeln der Eier für das Männchen. Ich benütze dunklen Bodengrund, auf dem das Männchen die Eier auch sehr gut erkennen kann.
Züchtet man, ist auch Javamoos ein wichtiger Bestandteil, weil sie sich dort sehr gut verstecken können und durch das Moos und die Pflanzen genügend Infusorien vorhanden sind, die die Kleinen als erste Nahrung benötigen.
Der Wasserstand bei einer Zucht sollte idealer weise bei 15 cm liegen. Die Larven haben noch nicht viel Schwimmkraft und kommen so leichter zur Oberfläche um Luft zu holen. Auch das Aufsammeln der Eier und der Larven ist so für das Männchen leichter.

Bei mir hat es aber auch schon mit 30 cm Wasserstand gut geklappt.

Bei einer Zucht, also wenn das Nest gefüllt ist, sollte man über Nacht ein kleines Licht brennen lassen, damit die Arbeit des Männchens erleichtert wird. Ist kein Licht da, kann er Eier und Larven kaum in Nest zurück bringen.

5. Verhalten untereinander und anderen Fischen

Im Gesellschaftsbecken verhalten sich die Betta eher ruhig und friedlich gegenüber anderer Fische. Sich selber imponieren sie ab und zu um zu zeigen wie „toll“ sie doch sind. Normale Revierkämpfe sind nicht bedenklich sondern normal. Sollten sie sich jedoch bös bekämpfen, muss man sie trennen, da sie durchaus bis zum tot kämpfen können. Das passiert nicht gerade oft vom Männchen zum Weibchen, jedoch die Mädels können untereinander schon sehr rabiat werden. Natürlich kann das auch von Weibchen zu Männchen und umgekehrt sein.
Zwei Männchen zusammen sollte man nicht halten.
Sie bekämpfen sich bis zum tot, indem sie z.B. das andere Männchen unter Wasser ziehen und das Luftholen unterbinden, so dass der Gegner ertrinkt. Böse Beiss-Attacken sind auch nicht selten.

Laut meinem Fachbuch sollte man auch in größeren Becken keine Männchen zusammen halten auch wenn es Erfahrungen gibt, wo diese Haltung funktionierte. Man sollte den tot nicht herausprovozieren.


In der Natur haben die Fische andere Möglichkeiten sich aus dem Weg zu gehen.

Bei einer Zucht ist zu beachten, dass ab ca. der 8. Woche genau beobachtet und separiert werden sollte.
Jeweils der dominantere Fisch sollte entfernt werden. So bildet sich der nächste dominante Fisch heran usw.
Zur Balz/Paarung ist eine gewisse Dominanz von Vorteil.

Da ein Männchen, das gut „imponieren“ kann, von einem Weibchen eher beachtet wird und die Kämpfe bei der Balz nicht so stark sein werden. Das Weibchen sieht, dass es ein stattliches Männchen ist.


In einem Gesellschaftsbecken zeigen sie ab und zu, wie toll sie sind aber das bleibt im Rahmen. Da die Betta es gern ruhig mögen, kommt es selten im Gesellschaftsbecken zur Paarung. Zu den Fischen im Gesellschaftsbecken sind sie eher friedlich, jedoch sollte auf Fische mit bunten Schleieschwänzen verzichtet werden, da die Betta-Männchen diese als Rivalen ansehen werden und auch bekämpfen werden.
Sollten die Betta im G.-Aquarium paaren, werden sie ihr Nest vor den anderen Fischen verteidigen. Die meisten Fische respektieren dies und es ist auch kein Problem, wenn das Becken groß genug ist. Ein Betta braucht ein Revier von 20 x 20 cm.

Während der Balz ist das Männchen etwas rabiat. Kleine Stücken der Flossen müssen in der Regel dran glauben aber das ist meistens so und sie wachsen nach.
Im Aufzuchtbecken:
Sollte das Männchen noch schlimmer werden, so dass bösere Verletzungen drohen, Weiber raus und in 2 tagen noch mal dazu tun. Der wird’s sich überlegen.


6. Tipps zur Paarung im Zuchtbecken:
Man kann z.B. das Mädel in einem Behälter (z.B. abgeschnittene Cola-Plastik-Flasche oder Deckel einer CD-Spindel) ins Becken tun, indem das Männchen schon ist. Er wird es sehr schnell bemerken und schon bald mit dem Nestbau beginnen. Zeigt das Mädel Laichstreifen, kann es frei gelassen werden. Erst wird das Männchen das Mädel noch jagen, da er womöglich mit dem Nestbau noch nicht fertig ist, aber bald wird das Führungschwimmen folgen, also er schwimmt vor und das Mädel folgt ihm.

Ich tu immer ein Mädel ins Becken und zeigen sich schon bald Laichstreifen, brauch ich nur noch abwarten.
Geht das nicht so, eben mit zwei Mädels versuchen (Konkurrenz animiert zur Laichbereitschaft) oder die Methode mit dem Behälter.
Auch hier helfen wieder die Versteckmöglichkeiten:
Viele Pflanzen und eine Wurzel stellen dem Weibchen Versteckmöglichkeiten, wohin sie sich verziehen kann, wenn das Männchen rabiat wird.


7, Die Paarung

Die Paarung dauert meist mehrere Stunden. Nach dem Führungsschwimmen folgt das Weibchen unters Nest. Meist stupst sie ihn in die Seite, das sind Beschwichtigungen. Jagd er sie nicht wieder weg, beginnt die Paarung. Meist beginnt es mit Scheinpaarungen, bei der sie üben, die richtige Position zu finden.
Er umschlingt das Weibchen und dreht es auf den Rücken. Sie entlässt die Eier, die dann vom Sperma des Männchens befruchtet werden. Nach der Paarung verharren sie noch in der so genannten laichstarre für wenige Sekunden.
Das Männchen beginnt dann die Eier aufzusammeln, die nun langsam zum Boden schweben.
Er umhüllt die Eier mit einem Sekret und spuckt sie in das Nest. Manchmal hilft das Weibchen mit, die Eier aufzusammeln. Nun folgen noch mehrere Paarungen mit gleichem Ablauf. Zwischendurch stabilisiert das Männchen immer wieder das Nest. Fängt er an, das Weibchen zu jagen, sollte man es raus nehmen.
Nun baut das Männchen weiter am Nest. Manchmal entstehen richtige Burgen.

Während der Nestpflege frisst das Männchen in der Regel nichts. Deshalb sollte es vor der Paarung gut gefüttert worden sein.
Ich gebe trotzdem jeden tag ganz wenig Futter ins Becken.


Nach ca. 24 -48 Stunden schlüpfen die Kleinen und hängen wie kleine Kommata unterm Nets. Das Männchen bringt rausgefallene Larven wieder zum Nest. In diesem Stadium können die Kleinen noch nicht so gut schwimmen. Sie schwimmen senkrecht. Nach ca. 4 tagen können sie freischwimmen.
Dann sollte auch der Vater entfernt werden.
Die ersten 2 tage ernähren sich die Kleinen von ihrem Dottersack. Dann von Infusorien, die in jedem Aquarium mit Pflanzen ect, vorhanden sind.
Betta sind Fleischfresser, es reicht nicht aus, mit Algen zu füttern.

Dann folgt sie Fütterung mit Aufzuchtfutter, am besten hat man eine Artemiaaufzucht.


Nach der Paarung sollte man Weibchen (zuerst, da zuerst entnommen) gut füttern und eventuell ein Seemandelbaumblatt zugeben, das den stress abbaut, den die Beiden ja nun sehr lange hatten.


Die Temperatur im Aufzuchtbecken sollte um 26 Grad liegen. Manche Züchter machen höhere Temperaturen. Dadurch wachsen die Kleinen schneller aber leben nicht so lange, durch den erhöhten Stoffwechsel.

Das Wachstum der Betta ist sehr langsam. Meine Kleinen sind mit ca. 5 Wochen gerade mal ca. 1,5 cm groß. Ausgewachsen sind sie mit ca. 6 – 8 Monate, wo sie auch Abgabebereit sind.


Will man züchten sollte man mehrere Becken zur Verfügung haben.
Erstens das Zucht und Aufzuchtbecken. Ein Becken, in das die Elterntiere nach der Paarung und Nestpflege gesetzt werden und Einzelbehälter (Vorzugsweise nicht rund), in die die Kleinen separiert werden sollen.
Ein kleiner Tipp zur Beheizung dieser:
Ich nehme eine Heizdecke unter die Behälter. Obwohl auch in einem normal geheizten Raum di Zimmertemperatur ausreicht.

In den Einzelbecken muss man alle 3 Tage Wasserwechseln.

Eine Zucht der Betta, bedeutet viel Arbeit, Zeitaufwand und auch Platz.

Meine Betta Zuchtseite

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Mittwoch, 30. Juni 2004, 10:50

2. Teil

Die richtige Ernährung:

Kampffische sind Raubfische. In der Natur ernähren sie sich von Insekten, Larven und sogar von kleinen Fischen.
Kampffische müssen abwechslungsreich ernährt werden. Am besten ist lebendes Futter, wie z.B. Wasserflöhe, Hüpferlinge, Schwarze, weiße und rote Mückenlarven und andere.
Rote Mückenlarven sollten aber nur einmal wöchentlich gefüttert werden. Bei schwarzen Mückenlarven sollte man bedenken, dass daraus Stechmücken werden, also nicht zuviel geben. Weiße Mückenlarven sind räuberisch und somit gefährlich für Jungfische.

Frostfutter ist auch zu empfehlen. Nicht überall hat man die Möglichkeit zu Lebendfutter. Bei dem Frostfutter sind auch: Salinenkrebschen (Artemia salina), Cyclops, Daphnien (Wasserflöhe), Gammarus.
Tubifex belasten meiner Meinung nach zu sehr das Wasser.

Wobei eigentlich jedes Futter das Wasser belastet, deshalb sollte man nie überfüttern.

Sehr wichtig! Überfüttert man Betta, führt die zu Überfettung, Sterilität und niedrige Lebensdauer.


Mit einer solch vielseitigen Ernährung werden die Fische gesund und vital und auch Paarungsbereit sein.


Die Lebensdauer liegt, entgegen der Meinung einiger Fachbücher, die eine durchschnittliche Lebensdauer von neun Monaten angeben, bei 2 – 3 Jahre, manchmal sogar mehr.
Dies setzt jedoch die ausgewogene Ernährung voraus.


Was beim Kauf einen Kampffische beachtet werden sollte, berichte ich gern separat in einem anderen Bericht.
Meine Betta Zuchtseite

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Mittwoch, 30. Juni 2004, 11:06

Hallo Netty,

super, Du hast Dir echt viel Arbeit gemacht! Ich werd mir Deinen Beitrag gleich ausdrucken; lich iebäugele ja selbst damit, Kampffische zu halten.

Gruß,
Amazonas

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Mittwoch, 30. Juni 2004, 11:46

Hallo,

darf ich das (angepasst) ins Verzeichnis aufnehmen?
(Schick mir aber dann bitte noch ne Mail, damit ich deinen Autorennamen druntersetzen kann ...)

Ciao
Anika

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Freitag, 11. Februar 2005, 16:02

Hi, (ich weiss der Beitrag ist schon etwas älter :rolleyes:)
aber mir ist grad aufgefallen das noch einige Zuchtformen in der "Zuchtformenliste" fehlen ;):
Plakat (kurzflossiger Kampffisch)
Crowntail (Kronenschwanz)
Halfmoon (Schwanzfloße sollte 180° ergeben)
usw. (war erstmal die die mir grad einfallen :-D)
MfG
Michi

...die dicken, kleinen Kinder auf der Suche nach Kuchen...

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